Atmen – was tue ich? Fehlatmung

Es gibt eine ganze Reihe von Fehlatmungen, die wir uns aneignen, weil wir verspannt, gestresst oder in anderer Form aus dem Gleichgewicht geraten sind. Auch Fehlhaltungen können sich über lange Zeit auf die Atmung auswirken. Ein Körper oder Mensch ist niemals als Ganzes grundsätzlich nur verspannt oder entspannt. Dabei geht es immer um Spannungsverhältnisse, die nicht ausgeglichen sind. Es sind also einige Muskeln zu verspannt und tragen die Arbeit von anderen Muskeln, die im gleichen Moment zu entspannt sind, mit.

Unsere natürliche Atmung ist eine große und hoch dynamische Bewegung, die viel Energie freisetzt.

Unsere natürliche Atmung, in der die Spannungsverhältnisse ausgeglichen sind und unsere gesamte Atemmuskulatur beteiligt ist, ist eine große und hoch dynamische Bewegung, die viel Energie freisetzt. Eine Fehlatmung ist immer eine Bewegung, an der nicht alleMuskeln in einem ausgewogenen Maße mitarbeiten, weshalb die Bewegung kleiner ist und die Energie, die freigesetzt wird, weniger ist, obwohl wir das Gefühl haben, einen riesen Aufwand zu betreiben.

Die am weitesten verbreitete Fehlatmung, ist die „Hochatmung“. Hierbei atmen wir vornehmlich in den Brustkorb. Es arbeitet die Zwischenrippenmuskulatur, die sich spannt und den Brustkorb weitet. Die Lunge folgt. Jedoch kann sie sich nur circa zu einem Drittel füllen, da die unteren zwei Drittel der Lunge sich in einer entspannten Atmung durch die Ausdehnung des Zwerchfells und dem Einwirken der gesamten tiefen Atemmuskulatur füllen. Diese Muskulatur ist aber in der Hochatmung kaum aktiv, wodurch sich unweigerlich die Lungenkapazität verringert. Ein weiterer Punkt bei dieser Atmung ist, dass sich die Hals und Nackenmuskulatur verspannt und so über einen längeren Zeitraum Nackenschmerzen entstehen können.

Paradoxe Atmung?!

Eine andere Form der Fehlatmung, ist die „Paradoxe Atmung“. Sie heißt „Paradoxe Atmung“, da bei der Einatmung der Brustkorb nicht geweitet wird, sondern nach innen einfällt – also genau anders herum, als es in einer natürlichen Atmung sein sollte. Hierfür gibt es krankheitsbedingte Ursachen, wie zum Beispiel eine Fraktur mehrerer Rippen. Die Zwischenrippenmuskulatur kann in so einem Falle nicht mitarbeiten, weshalb die untere Atemmuskulatur keinen Gegenspieler im Brustkorb mehr hat und ihn mit nach unten (oder innen) zieht.

Noch eine andere Form der „Paradoxen Atmung“ ist eine weitergeführte Form der „Hochatmung“. Hierbei arbeitet die tiefe Atemmuskulatur um das Zwerchfell nicht nur nicht, sondern gibt während der Einatmung Druck auf die Lunge ab, wie es normalerweise bei der Ausatmung geschieht. Die Zwischenrippenmuskulatur versucht dies zu kompensieren, trotzdem bleiben mehr als zwei Drittel unserer Lungenkapazität hierbei ungenutzt.

Es gibt noch eine ganze Reihe von Fehlatmungen, die von Mensch zu Mensch individuell auftreten können. Sie werden hervorgerufen durch Stress, Fehlhaltungen, Muskelverspannungen und vieles mehr. Was sie alle vereint ist ein viel größerer Aufwand beim Atmen und trotzdem ein Gefühl von Atemnot oder zu wenig Luft. Dies entsteht durch die verringerte Aufnahme von Sauerstoff. Ein elastischer Gegenstand, welcher ohne jeden Gegenpol nur an einer Seite gezogen wird, wird niemals zu seiner vollen Funktion finden. Durch die ungleichmäßige Dehnung der Lunge verkrampfen die Alveolen und der Sauerstoff kann nicht gleichmäßig eingesogen werden. Die Atemfrequenz erhöht sich unweigerlich, die Leistungsfähigkeit nimmt jedoch ab.

Quellen

Margot Scheufele-Osenberg „Atemschulung für seelisches und körperliches Gleichgewicht“ 1987 Econ Taschenbuchverlag

Dr. med. J. Parnow „Die Heilung der Atmung“ 1971 Paracelsus

Margot Scheufele-Osenberg „Die Atemschule“ 1998 Schott

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/

Peter Schaub, Atemtherapeut