Atmen was tue ich? – Die Atemmuskulatur

Im Ruhezustand atmet ein Erwachsener ca. 16 Mal pro Minute, ein Kind um die 20 Mal. Bei zunehmender Belastung, steigt auch die Atemfrequenz. Aber wie „atmet es“ eigentlich?

Neben der Lunge ist ein weiterer Teil unseres Komplexsystems „Atmung“, unsere Atemmuskulatur.

Die Lunge selber ist kein Muskel und kann sich aus Eigeninitiative nicht anspannen oder entspannen. Darum hat sie eine ganze Reihe von Angestellten, die das für sie übernehmen.

Der wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell, welches wie eine Trennung zwischen Bauch- und Brustraum in der Mitte unseres Oberkörpers angesiedelt ist. Die weiteren Muskelgruppen, die an unserer Atmungbeteiligt sind und das Zwerchfell unterstützen, sind die Zwischenrippenmuskeln, unsere Bauch- und Rückenmuskulatur, sowie unsere Beckenmuskulatur und der Beckenboden. Im Atemprozess sind diese Muskeln die Hilfsmuskulatur des Zwerchfells. Nur wenn alle diese Teile gekonnt zusammenspielen, ist eine ideale Atmung für uns möglich.

Unser Zwerchfell ist eine Saug- und Druckpumpe, die hochelastisch ist und sich bis zu 9 cm in unserem Körper nach unten spannen und nach oben zusammenziehen kann. Spannt es sich bei der Einatmung an, wird im Brustkorb Platz geschaffen, sodass die Lunge, durch den entstehenden Unterdruck, die Luft aufnehmen kann. Diesen Mechanismus kann man grob mit einer Spritze vergleichen, in die Wasser gesogen wird, wenn man den beweglichen Kolben herauszieht. Bei der Bewegung des Zwerchfells nach unten, wölben sich Bauch und Rücken nach außen, die Bauchmuskulatur zieht den Brustkorb nach unten, der Beckenboden spiegelt das Zwerchfell und schafft Platz für die Organe, die in dem Prozess mit bewegt werden. Durch diese Bewegung entsteht eine körpereigene Massage unserer Organe, durch die die Durchblutung und die Verdauung gefördert, Nieren und Blase gestärkt und ihre Funktionsfähigkeit optimiert wird.

Bei der Ausatmung wandert das Zwerchfell zurück nach oben, Rücken und Bauch ziehen sich zurück nach innen, die Organe rutschen wieder an ihren Platz und durch den entstehenden Überdruck, wird die Lunge quasi „ausgepresst“. An diesem Prozess ist sie auch aktiv beteiligt, da unsere Lunge über elastische Fasern verfügt, die sie wieder in die Ausgangsposition zurückziehen. Um diese Fasern zu überwinden, brauchen wir bei der Einatmung das oben beschriebene, komplexe Muskelsystem.

Unser Zwerchfell ist übrigens auch direkt mit unserem Herzen verbunden. Daher kann durch eine gut trainierte Bauchatmung auch unser Herz in seiner Funktion unterstützt werden, da das Zwerchfell durch seine Bewegung dem Herzen Pumparbeit abnehmen kann. So ergibt sich auch, dass unsere kontrollierte Atmung unseren Herzschlag beruhigen kann.

Außerdem wirkt diese Bauchatmung entspannend auf unser vegetatives Nervensystem und verhilft uns damit insgesamt zu mehr Entspannung und innerer Ruhe, was wiederum unsere Intuition und das Bauchgefühl in uns stärkt.

Quelle

>>> Margot Scheufele-Osenberg „Atemschulung für seelisches und körperliches Gleichgewicht“ 1987 Econ Taschenbuchverlag

>>> Dr. med. J.Parnow „Die Heilung der Atmung“ 1971 Paracelsus

>>> Margot Scheufele-Osenberg „Die Atemschule“ 1998 Schott

>>> https://www.kenhub.com/“Anatomie des Menschen“

>>> Peter Schaub -Atemtherapeut „Bauchatmung, Anatomie und Physiologie“

>>> https://www.br.de/alphalernen/ „FachBiologie; Atemmechanik“